Gay Romance, die von Frauen geschrieben wird…

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Kürzlich erschien in dem Online-Magazin „Queer“ eine Rezension zu einer Gay Anthologie, die von der Autorin Jana Walther herausgegeben wurde. Unter den Autor*innen waren sowohl Männer als auch Frauen.
Das führte zu teilweise sehr erbitterten und verachtenden Hass-Kommentaren gegenüber Autorinnen, die Gay Romance schreiben. Kommentare, die ich hier nicht wiederholen möchte.

Es stimmt, im Gay Romance Genre sind viele Autorinnen vertreten. Es ist auch so, dass es es insgesamt mehr Gay Romance Autorinnen als schwule Autoren gibt, welches dieses Genre schreiben.
Im Blog Like a dream gibt es dazu jetzt einen lesenswerten offenen Brief:
https://likeagaydream.wordpress.com/…/offener-brief-zum-th…/

In meinem Autorinnenblog habe ich dazu folgendes geschrieben:

Ich kann verstehen, wenn sich Schwule mehr schwule Autoren wünschen – ob die nun Gay Romance oder andere Bücher mit Gay-Themen schreiben.
Wenn man sich allerdings vor Augen führt, dass ca. 5 – 10 % der Bevölkerung schwul ist, und es in Deutschland ca. 75000 Schriftsteller gibt (genaue Zahlen konnte ich bei letzteren leider nicht finden), kann man sich ausrechnen, wieviele davon statistisch gesehen schwul sein könnten. Was dann noch nicht die Frage beantwortet, wieviele dieser schwulen Autoren überhaupt Bücher mit schwulen Themen schreiben, zumal dies insgesamt ein Nischengenre im Buchmarkt ist, welches auch weniger gelesen wird als andere.

Auf der anderen Seite gibt es also viele Frauen, die Gay Romance, Gay Fantasy und andere queere Bücher schreiben. Zumindest einen Aspekt haben viele dieser Frauen mit schwulen Männern gemeinsam: Sie stehen auf Männer. Sie wissen auch, wie es ist, mit Männern Sex zu haben, wenn auch mit anderen persönlichen anatomischen Voraussetzungen.
Und entsprechend gibt es auch LeserINNEN, die gern Gay Romance lesen. Weil sie dort nicht nur einen Mann „anhimmeln“ können, sondern zwei (oder auch mehr, je nach Konstellation der Beziehung).

Vorsicht, Sarkasmus an:

Wenn ich solche Kommentare lese wie bei jenem Magazinartikel, würde ich am liebsten mal ganz polemisch fragen, ob denn nun Thriller und Krimis ausschließlich von echten Ermittlern oder Polizeibeamten im Ruhestand geschrieben werden müssen, weil alles andere ja nicht authentisch sein kann. Oder ob ich, wenn ich über Verbrecher schreibe, erstmal selbst eine kriminelle Karriere hinlegen muss.

Ach, und wo wir gerade dabei sind, dann darf ich ja gar keine Fantasy mehr schreiben, weil ich mich ja niemals in einen Ork,Elf, Zwerg,Gestaltwandler oder ähnliches hineinversetzen könnte. Und auch keine Sci-Fi, denn woher soll ich wissen, wie sich ein Alien fühlt? Ganz zu schweigen von Menschen, die im Mittelalter oder der Antike gelebt haben, weil das ja schon sooo lange her ist und die ja noch ganz anders gelebt haben als wir…
Und ich darf dann ja auch nicht über Menschen schreiben, die eine andere Hautfarbe als ich haben.

Apropos, wie machen das eigentlich Schauspieler, wenn sie in eine andere Rolle schlüpfen?! Das ist ja auch höchst unauthentisch, was die da machen…

Sarkasmus aus.

Mal ganz im Ernst, der Schlüssel zum Schreiben sind aus meiner Sicht zwei, drei Dinge: Empathie bzw. Einfühlungsvermögen, Fantasie und Recherchen.
Ein Autor (egal ob weiblich oder männlich) muss sich in seine Figuren soweit hineinfühlen können, dass er deren Gefühlswelt, Wahrnehmungen, Gedanken und Motivationen realistisch und glaubwürdig darstellen kann. Er sollte sich am besten auch ein wenig mit Psychologie auskennen. Gleiches gilt auch für Schauspieler*innen und für Regisseur*innen, die ja ebenfalls fremde Rollen inszenieren.

Fantasie ist notwendig für das Vorstellungsvermögen, etwas aus dem Nichts zu erschaffen und zum „Leben zu erwecken“, wenn auch nur mit Worten.

Und Recherchen sind überall da notwendig, wo uns selbst das Wissen fehlt. Und das gibt es natürlich auch in den Gay Genres.

Zu diesem Problematik fand ich diesen Blogartikel von Dana Brandt sehr treffend. Dieser ist übrigens teilweise sehr ironisch und polemisch:
http://www.dana-brandt.com/wordpress/2017/08/17/schwuler-versus-hetera-hetera-versus-schwuler/

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